
Hintergrund
Was ist eine Multivisionsshow?
Das Licht geht aus, die Leinwand leuchtet, und vorn auf der Bühne steht jemand, der dort war. Eine Multivisionsshow ist ein Vortrag, bei dem Fotografinnen und Fotografen live von ihren Reisen erzählen, zu großformatigen Bildern, Filmsequenzen, Musik und Originalton. Der Name stammt aus der Zeit der Diaprojektoren, als mehrere Geräte gleichzeitig auf eine Leinwand projizierten. Heute schafft das ein digitaler Projektor allein. Die Idee dahinter ist mehr als 350 Jahre alt. Kommen Sie mit auf eine kleine Zeitreise!
Kurz erklärt: Multivision, Diavortrag, Live-Reportage
Der Duden beschreibt die Multivisionsshow nüchtern als größere Veranstaltung, bei der die Technik der Multivision zum Einsatz kommt. Gemeint ist ursprünglich die Projektion mit mehreren Geräten: Ihre Bilder gleiten ineinander, stehen nebeneinander oder verschmelzen zu einem Panorama.
Im Alltag gehen die Namen bunt durcheinander: Diavortrag, Diaschau, Tonbildschau, AV-Show, Reisevortrag, Live-Reportage, Multivisionsvortrag. Gemeint ist fast immer dasselbe. Drei Dinge machen den Unterschied zum Film und zum Diaabend im Wohnzimmer:
- Die Person auf der Bühne. Wer die Bilder gemacht hat, erzählt selbst, live und mit allen Umwegen der Reise. Kein Abend gleicht dem anderen.
- Bild und Ton als Komposition. Bildfolge, Übergänge, Musik und Geräusche sind Bild für Bild aufeinander abgestimmt, oft in monatelanger Arbeit.
- Der gemeinsame Saal. Eine Multivisionsshow ist für die große Leinwand gemacht und für ein Publikum, das gemeinsam staunt, lacht und manchmal ganz still wird.
Die Anfänge: Laterna magica und Nebelbilder
Die Geschichte beginnt im 17. Jahrhundert mit einem Kasten, einer Lampe und einer Linse: der Laterna magica. Christiaan Huygens zeichnete um 1659 ein solches Gerät, Athanasius Kircher beschrieb es 1671 in seinem Werk »Ars magna lucis et umbrae«. Bemalte Glasbilder erschienen plötzlich groß an der Wand.
Bald zogen Wanderschausteller mit ihren Laternen über Jahrmärkte, durch Wirtshäuser, Säle und Kirchen, manche mit dem Gerät auf dem Rücken wie der Ausrufer im Bild. Ihre Vorführungen dauerten bis zu zwei Stunden, ein Sprecher erzählte zu den Bildern, oft spielte Musik. Um 1800 ließen die Phantasmagorien sogar Geister auf Rauch und Nebel erscheinen. Bild, Wort, Ton und ein dunkler Raum: Das Grundmuster der Multivisionsshow war gefunden.

Auch die Überblendung ist älter als die Fotografie. Ab den 1830er-Jahren bauten Optiker Laternen mit zwei oder drei Objektiven übereinander. Langsam verblasste das eine Bild, das nächste tauchte auf, und vor den Augen des Publikums wurde aus Sommer Winter, aus Tag Nacht. In London kündigte das Adelphi Theatre 1837 solche Vorführungen als »Dissolving Views« an, im Deutschen hießen sie Nebelbilder.

Vom Glasbild zum Lichtbildvortrag
Ab etwa 1870 kamen fotografische Glasdias neben die gemalten Bilder, und auf einmal ließ sich zeigen, wie ein Ort wirklich aussah. Der Lichtbildvortrag wurde zum Fenster in die Welt: Vereine, Bibliotheken und Volkshochschulen luden zu Abenden über ferne Länder, Gebirge und Naturkunde. Allein der Deutsche und Österreichische Alpenverein besaß Anfang des 20. Jahrhunderts rund 11.000 Laternbilder.
Ab dem Ende des 19. Jahrhunderts bekam die Laterna magica mit dem Kino starke Konkurrenz. Der Vortrag mit stehenden Bildern hielt sich trotzdem, in Schulen, Vereinen und Vortragssälen. Glasdias waren noch bis in die 1950er-Jahre im Einsatz.

Das Kleinbilddia und der Diaabend
Dann wurde das Bild klein und bunt. 1926 brachte Leitz den ersten Projektor für Kleinbilddias auf den Markt, 1936 folgte Kodachrome, ein Farbumkehrfilm für Kleinbildkameras. Das Dia im Format 24 × 36 Millimeter, gerahmt in 5 × 5 Zentimeter, blieb für Jahrzehnte der Standard.

Nach dem Krieg zog der Diaprojektor ins Wohnzimmer ein. 1961 stellte Kodak den Carousel-Projektor mit Rundmagazin vor, das 80 und später 140 Dias fasste; auch Leitz, Braun, Liesegang, Rollei und Zeiss Ikon bauten eigene Geräte. Leinwand aufstellen, Licht aus, dann das vertraute Klacken beim Bildwechsel: Der Diaabend mit Urlaubsbildern wurde in vielen Familien zum festen Termin. Vielleicht erinnern Sie sich noch daran.

Überblendung und Tonbildschau: die Multivision entsteht
Aus dem Diaabend wurde eine eigene Kunstform, als zwei Dinge zusammenkamen: ein zweiter Projektor und ein Tonband.
Zwei Projektoren auf eine Leinwand, dazwischen ein Überblendgerät, und schon glitt wie einst bei den Nebelbildern ein Bild weich ins nächste. Bei langsamen Übergängen entsteht für einen Moment ein »drittes Bild«, eine Überlagerung, die keiner der beiden Projektoren allein zeigt. Den Takt gab das Tonband vor: Steuergeräte zeichneten jeden Bildwechsel als Impuls auf einer eigenen Spur auf, und Bilder, Musik und Sprache liefen auf die Sekunde genau zusammen.

In Frankreich hießen diese Tonbildschauen »Diaporama«. Ab 1959 gab es dafür internationale Festivals, 1971 das erste in Deutschland. Wer mehr wollte, stellte drei, sechs oder noch mehr Projektoren nebeneinander. Weiche Masken an den Bildrändern ließen die Projektionen so ineinanderlaufen, dass keine Naht mehr zu sehen war (Soft-Edge-Projektion), und über die Leinwand spannte sich ein Panorama. Das ist die Multivision im engeren Sinn.
Die große Zeit der Diavorträge
In den 1970er- bis 1990er-Jahren gehörten die Winterabende den Diavorträgen. Referenten zogen mit eigener Projektionstechnik und Leinwand von Stadthalle zu Stadthalle. Die taz berichtete 1993 von ausgebuchten Sälen mit bis zu 500 Plätzen und von Plakaten, die mit Überblendtechnik, Panorama-Vision und Soft-Edge-Projektion warben. Ein Bremer Referent arbeitete mit sechs computergesteuerten Projektoren, Vorführungen mit zwölf Geräten waren keine Seltenheit.
Hinter jedem Abend steckte viel Handarbeit. Hunderte Dias wollten gerahmt und einsortiert werden, jedes bekam seinen Projektor und seinen Platz im Magazin, jeder Übergang wurde einzeln programmiert, oft über Wochen. Dafür sah das Publikum Bilder in einer Größe und Schärfe, die kein Fernseher bieten konnte.
Der Wechsel ins Digitale
Um das Jahr 2000 kam der Umbruch. Digitalkameras und lichtstarke Projektoren lösten Diafilm und Diaprojektor nach und nach ab, Hersteller von Steuertechnik und Software stellten auf digitale Projektion um. Im Oktober 2004 beendete Kodak die Produktion des Carousel-Projektors, 2009 lief die Fertigung von Kodachrome aus. Der letzte Film wurde am 30. Dezember 2010 in einem Labor in Kansas entwickelt.
Für die Multivision war das kein Abschied, sondern ein Aufbruch. Was früher sechs Projektoren und ein Tonband brauchte, erledigt heute ein Rechner. Dazu kam, was mit Dias undenkbar war: Filmsequenzen, Zeitraffer, Luftaufnahmen, Panoramen über die ganze Saalbreite und Originalton von unterwegs.
Die Multivisionsshow heute
Eine Multivisionsshow verbindet heute Fotografie, Film und Ton mit der Erzählung auf der Bühne. Die Bilder entstehen meist über Jahre und auf vielen Reisen, die Show selbst wird über Wochen oder Monate geschnitten, vertont und geprobt. Im deutschsprachigen Raum haben die Vortragsreferenten mit der Gesellschaft für Bild und Vortrag einen eigenen Berufsverband, dazu kommt eine ganze Reihe von Festivals.
Geblieben ist, was schon die Laterna magica ausmachte: ein dunkler Saal, ein großes Bild und jemand, der erzählt. Wer auf der Bühne steht, war selbst dort, hat gewartet, gefroren, sich verfahren und Menschen getroffen, und erzählt auch das, was auf keinem Bild zu sehen ist. Genau das unterscheidet einen solchen Abend vom Dokumentarfilm auf dem Sofa.
Multivisionsshows in Daun und Wittlich
Dass es in Daun Multivisionsshows gibt, hat mit einem Zelt in Thüringen zu tun. Sven Nieder, Mitgründer der Dauner Fototage, war schon früh von Diavorträgen begeistert und verbrachte ganze Wochenenden im Zelt in Saalfeld an der Saale, um beim Festival Weltsichten Diavorträge zu sehen. 2006, nach seinem Fotografiestudium, lernte er den Reisefotografen Peter Gebhard kennen und begleitete ihn als Kameramann nach Island. Aus dieser Begegnung entstand die Idee, und mit seinem Vater Hans Nieder, der 1972 das Fotostudio Nieder in Daun eröffnet hat und die Abende im Forum bis heute moderiert, holte er sie nach Daun.
2007 war es so weit, Peter Gebhard erzählte vom »Abenteuer Panamericana«. Nach drei solchen Abenden waren die Dauner Fototage geboren, 2010 fanden sie zum ersten Mal statt. Seitdem holen wir jedes Jahr im März Fotografinnen und Fotografen mit ihren Multivisionsshows zu Reise, Natur, Abenteuer und Kultur in die Stadthalle Forum Daun. 2027 bekommen die Dauner Fototage eine Schwester: die Wittlicher Fototage im Kinopalast in Wittlich (offiziell Kinopalast Eifel|Mosel|Hunsrück). Ein Abend dauert 90 bis 120 Minuten, dazu kommt eine Pause.
Und für uns schließt sich 2027 ein Kreis: Peter Gebhard ist wieder da, auf den Tag genau 20 Jahre nach seinem ersten Abend in Daun. Wir freuen uns sehr darauf!
Was Sie an einem Abend in Daun oder Wittlich erwartet und wie Sie hinkommen, lesen Sie unter Reisevorträge in Daun und Wittlich.
Häufige Fragen zur Multivisionsshow
Was ist der Unterschied zwischen einer Diashow und einer Multivisionsshow?
Eine Diashow zeigt Bilder nacheinander, oft ohne Ton oder mit etwas Musik im Hintergrund. Eine Multivisionsshow ist für die große Leinwand komponiert: Fotografie, Film, Musik und Geräusche greifen ineinander, und die Fotografin oder der Fotograf erzählt live dazu.
Ist eine Multivisionsshow ein Film?
Nein. Die meisten Shows enthalten Filmsequenzen, getragen werden sie aber von Fotografien und vom gesprochenen Wort auf der Bühne. Anders als ein Film entsteht der Abend jedes Mal neu, im Zusammenspiel mit dem Publikum.
Was bedeutet Live-Reportage?
Live-Reportage ist ein anderer Name für die Multivisionsshow. Er betont, dass live auf der Bühne erzählt wird und dass die Bilder von echten Reisen und Begegnungen stammen.
Warum heißt es Multivision, wenn nur ein Projektor im Saal steht?
Der Name stammt aus der Diazeit, als mehrere Projektoren gleichzeitig auf eine Leinwand projizierten. Ein heutiger digitaler Projektor schafft das allein. Der Begriff ist geblieben und steht für das Zusammenspiel von Bild, Ton und Live-Erzählung.
Wie lange dauert eine Multivisionsshow?
Das hängt von der Veranstaltung ab. Bei den Dauner Fototagen und den Wittlicher Fototagen dauert ein Abend 90 bis 120 Minuten, dazu kommt eine Pause.
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